„Man darf Koalitionen nicht überhöhen“
SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel im FAZ-Interview
Herr Gabriel, hat Ihnen Klaus Wowereit mit seiner rot-schwarzen Kehrtwende Ihre rot-grünen
Pläne durchkreuzt?
Nein, überhaupt nicht. Er hat meine volle Unterstützung für seine landespolitische Entscheidung.
Hatten Sie damit gerechnet?
Ich habe für Berlin eine große Koalition jedenfalls nicht ausgeschlossen, weil das Thema Infrastruktur, insbesondere Verkehrsinfrastruktur, immer schon ein Konfliktthema zwischen SPD und Grünen war. Die SPD ist eine Infrastruktur-Partei. Die Wertschöpfung in der Industrie, im produzierenden Gewerbe und bei Handwerk und Handel ist die Grundlage des Wohlstandes unseres Landes. Wir brauchen also eine moderne Infrastruktur - das reicht von Breitbandnetzen über Pipelines und Stromtrassen bis zu Bahnhöfen und manchmal eben auch Autobahnen. Ich habe großes Verständnis dafür, dass die Grünen gegen überdimensionierte Infrastrukturprojekte sind, die Natur und Landschaft zerstören. Darum ging es aber in Berlin nicht, sondern wir reden über eine sich dynamisch entwickelnde Großstadt. Das musste in Berlin zu einem Konflikt führen. Und der war ja auch schon im Wahlkampf erkennbar.
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